„Wie gut ist Ihre Kommune und sind Ihre Bürger heute auf das nächste Hochwasser vorbereitet?“ – Ergebnis der Online-Umfrage der HWNG

Der Gedanke der Hochwasservorsorge ist schon in vielen Kommunen verankert! Das ergab die Online-Umfrage unter den Mitgliedern der HWNG Rhein e. V. mit der Fragestellung „Wie gut ist Ihre Kommune und sind Ihre Bürger heute auf das nächste Hochwasser vorbereitet?"

 

An der Online-Umfrage der HWNG, die primär darauf abzielte Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich der Hochwasservorsorge zu sammeln, um den Vorsorgegedanken stärker zu verankern, haben sich ca. ein Drittel der Mitglieder, darunter auch die Hochwasserpartnerschaft Elbe (HPElbe), beteiligt (Laufzeit: 30.11.2018 – 1.3.2019).

Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer arbeiten bereits mit anderen Kommunen, die am gleichen Risikogewässer liegen, zusammen und haben gemeinsame Maßnahmen in ihrem Hochwasserrisikomanagement-Plan festgelegt. Aktivitäten in dem Bereich sind:

  • Informations- und Erfahrungsaustausch im Netzwerk der Kommunal Agentur NRW GmbH (KUA)
  • Hochwasserpartnerschaften (gemeinsame HWRM-Pläne)
  • Abstimmungen mit übergeordneten Behörden (Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, Sachsen-Anhalt)
  • regelmäßiger Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Kommunen in bestimmten Bereichen (z. B. zwischen Bauhöfen)
  • gemeinsame Anschaffungen für den operativen Hochwasserschutz (Sandsacksysteme, Feuerwehrboote)
  • Kooperation bezüglich Hochwasserschutzanlagen (Polderbetrieb).

Der überwiegende Teil der Kommunen hat bereits ein Örtliches Hochwasservorsorge- bzw. Starkregenkonzept oder ein Hochwasseraudit erstellt, arbeitet daran oder beabsichtigt die Erstellung. Als Schwerpunkte genannt wurden:

  • Überarbeitung von örtlichen Alarmplänen
  • Identifizierung besonderen Gefahrenstellen und Betroffenheiten anhand von Starkregenkarten und Geländemodellen
  • Erstellung eines Hochwasserabwehrkalenders (?).

Etwas mehr als die Hälfte der Kommunen haben angegeben, einfache, kostengünstige, schnell umsetzbare und wirksame Maßnahmen zur Vorsorge realisiert zu haben oder zu planen. Dabei wurden im großen Ganzen drei Maßnahmenbereiche genannt:

  • im Außenbereich z. B. Gräben, Notwasserwege, Wasserrückhalt in Mulden
  • Planungen und Sanierungsmaßnahmen: Berechnung von Überflutungsgefahren für neue Baugebiete, Freihaltung von Grundstücken zum Wasserrückhalt bei, Vorsehen von Mittelrinne in der Straße
  • Hochwasserschutz: Anschaffung von mobilen Wänden sowie zusätzlichen Pumpen und Pumpenstandorte, Stege, Ertüchtigung der Sandsacklogistik
  • Stärkung der Eigenvorsorge durch Flyer

Die Frage, welche der durchgeführten Hochwasservorsorgemaßnahmen als am effektivsten angesehen werden und deren Umsetzung auch anderen Kommunen empfohlen werden können, wurde teilweise beantwortet.

Als effektiv und auf andere Kommunen übertragbar werden Sensibilisierungsmaßnahmen wie kostenlose Führungen zum Thema Hochwasserschutz (StEB Köln), ein Hochwassertelefon, Internetseite inkl. Überflutungsgefahrenkarten für Hochwasser und Grundhochwasser sowie Starkregen (www.steb-koeln.de) angesehen. Das gilt weiterhin auch Informationstafeln an Anlagen (StEB Köln, z. B. Hubtor in Rodenkirchen), Broschüren und Infoflyer zu den Themen Hochwasser, Grundhochwasser und Starkregen, die über die Internetseite abrufbar oder auf Bestellung auch per Post (z. B mit dem Abwassergebührenbescheid) versendet werden. Positiv wird zudem die Beratung per Telefon und Email für Bürger und Bürgerinnen aber auch Mitglieder der Verwaltung gesehen.

Mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer nutzen im Rahmen des Bevölkerungsschutzes auf kommunaler oder Kreisebene bereits Soziale Medien wie Twitter, Facebook (Feuerwehr), BiWapp (Bürger Info & Warn App) und haben entsprechende Links auf den Internetseiten ihrer Kommune.

Der größere Teil der Kommunen nutzt verschiedene Informationswege zur Sensibilisierung und zum Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten. Genannt wurden:

  • Veranstaltungsformen wie Bürgergespräche, Versammlungen, Bürgerberatung, Informationstage, Übungen, Ausstellung von Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepten unter Einbeziehung der Betroffenen
  • feste Informationseinrichtungen: z. B. Deichinfozentrum Neuwied mit regelmäßigen Deichführungen oder neue Hochwassermarken, die auch auf HQExtrem verweisen
  • Internetseite der Kommunen (z. B. Allgemeine Informationen zu Hochwasser und Starkregen, weiterführende Links, o. z. B. Imagefilm zur Mitarbeit in der Wasserwehr)
  • Printmedien: Flyer und Broschüren (z. B. Eigenvorsorge)
  • Soziale Medien
  • regelmäßige Veröffentlichungen in der Presse zu verschiedenen Themen der Vorsorge (z. B. hochwasserangepasstes Bauen, Hochwassergefahren- und Risikokarten, Beteiligungsaufrufe, Versicherungen etc.)

Überwiegend gaben die Kommunen an, über genannten Informationswege, auch für Extremereignisse zu sensibilisieren.

In den letzten Jahren wurde verstärkt die Gefahrenabwehr verbessert und an die neuen Anforderungen angepasst. Dazu gehören:

  • Verbesserung der Ausrüstung (z. B. spezielle Schmutzwasserpumpen, wartfähige Fahrzeuge, Dammbalken, Sandsack-Befüll-Maschinen)
  • regelmäßige Schulung und Fortbildung.
  • Optimierung und Anpassung der Alarm- und Einsatzplanung (Einbindung von Polizei und Ordnungsamt, regelmäßige Übungen, Spezialgruppen, Stabsübungen, speziell zu Hochwasser, Einbindung von Starkregenkonzepten)
  • Nutzung der sozialen Medien.
  • Bürger als Hochwasserschutzbeauftragte

Die Fortschritte in der Bauvorsorge (z. B. Bauleitplanung) sind nach Aussage der Umfrageteilnehmer begrenzt. Genannt wurden, dort wo es sie gibt:

  • hochwasserangepasstes Bauen in Neubaugebieten und Bestandsüberplanungen, z. B. Festsetzung Unterkante, Niederschlagsversickerung und Dachbegrünung
  • Infoflyer für Bauwillige
  • Hinweise zu Hochwasserschutzanforderungen in Genehmigungsverfahren.
  • Kritik z. T. Erteilung von Baugenehmigungen ohne Hinweis auf das Hoch- und Grundwasserrisiko

Fortschritte gab es offensichtlich in mehr als der Hälfe der Kommunen im Bereich der Flächenvorsorge. Als Bespiele wurden genannt:

  • Berücksichtigung von Starkregenkarten in der Planung z. B. Vorsehen von Notabflusswegen und -gräben, Festlegung von Rückhalteflächen im Bebauungsplan (z. B: im Rahmen der „Aktion Blau, RLP), Freihaltung von Abflussmulden und Grünflächen mit Starkregenabflussgräben
  • Retentionsraumnachweis bei Bauvorhaben und die Überprüfung hochwasserrelevanter Aspekte.
  • Flächenrücknahme der Baugebiete im Flächennutzungsplan

Dabei sieht mehr als die Hälfte Synergien zwischen Hochwasser- bzw. Starkregenvorsorge. Genannt wurden:

  • Ableitung von Überflutungen in unbebaute Bereiche über Gräben
  • Retentionsmaßnahmen, z. B. Rückhaltebecken und Renaturierungmaßnahmen an Bächen
  • Umwandlung von intensiv in extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen (Verbesserung der Rückhaltung), die der Retention
  • Sanierung und Vergrößerung von Hochwasserrückhaltebecken.

Synergieeffekte sind offensichtlich schwer zu fassen und werden in erster Linie im technischen Hochwasserschutz (Rückhaltungen) gesehen. Möglichkeiten aus dem Bereich z. B. des Naturschutzes kommen nur wenig in Betracht.

Die Informationsvorsorge hat sich ebenfalls bei mehr als der Hälfte der Befragten verbessert Genannte Beispiele sind:

  • Internetseiten mit Links
  • Aufklärungsflyer mit gezielter Information (z. B. zur Hochwassergefährdung)
  • Beratung (z. B. zu baulichen Vorsorgemöglichkeiten) von Neubürgern
  • Bürgerbeteiligung bei der Hochwasser- und Starkregenvorsorge

Nur ganz wenige der Befragten sind, nach eigener Einschätzung, sehr gut, der überwiegende Teil gut auf Flusshochwasser eingestellt. Für Starkregenereignisse fühlen sich immerhin fast die Hälfte befriedigend gewappnet.

Im Bereich der Bauvorsorge sind nur begrenzte Fortschritte zu verzeichnen. Best-Practice-Beispiele für hochwasserangepasstes Planen (Bauleitplanung) und Bauen nannten daher auch nur ein kleinerer Teil der Umfrageteilnehmer:

  • Der Zollhafen in Mainz wurde als positives Beispiel für hochwasserangepasstes Bauen angeführt, dessen Realisierung durch eine Arbeitsgruppe kontrolliert wird, angeführt.
  • Neuwied: Stadthalle (Marktstraße / Heerstraße)
  • Remagen: Sicherung eines hochwasserfreien Zugangs zu einem Neubaugebiet
  • Magdeburg: Stationärer und mobiler Objektschutz gewerblich genutzte Immobilien und Krankenhaus
  • Andernach: Höherliegende Tiefgaragen Konrad-Adenauer-Allee
  • Neuwied: Hochwasserfreie Netzleitstelle für Sicherheit der Energieversorgung
  • Oberwesel: Tiefgaragen als Retentionsraum

Im Gesamtfazit zeigt sich: Der gute Wille ist da, aber an der Umsetzung, insbesondere im Bereich der Bauplanung – und Bauvorsorge, hapert es noch.

Jede Kommune oder Privatperson kann sich am Aufbau der Sammlung, die öffentlich über die Homepage der HWNG zugänglich ist, beteiligen.


Neue Präventions-Ideen (Best-Practice-Beispiele) können Sie uns daher jederzeit unter der Mail hwng@gstbrp.de mitteilen.

Kontakt

Deutschhausplatz 1
55116 Mainz

Tel: (06131) 2398-186
E-Mail: hwngr@gstbrp.de

Aktuelle Wasserstände

Das Hochwassermeldezentrum Rhein informiert bei Hochwasser laufend über die aktuellen Pegelstände am Rhein und seinen Nebenflüssen:

www.hochwasser-rlp.de

Neue Broschüre der HWNG

Die Hochwassernotgemeinschaft Rhein hat eine neue Selbstdarstellungsbroschüre veröffentlicht.

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Symboldbild Hochwasser

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