Bundesamt für Naturschutz legt ersten Auenzustandsbericht vor - zwei Drittel der Überschwemmungsflächen vernichtet (5.10.2009)

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat erstmalig einen Auenzustandsbericht für Deutschland vorgestellt. Der bundesweite Überblick zum Verlust von Überschwemmungsflächen und zum Zustand der Flussauen in Deutschland macht den Handlungsbedarf deutlich: Die Gewässer und Auen sind für den Hochwasserschutz und die Erhaltung der wertvollen Lebensräume nachhaltig zu entwickeln. Denn zwei Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen sind an den Flüssen in Deutschland bereits vernichtet. An Rhein, Elbe, Donau und Oder sind durch den Bau von Hochwasserschutzdeichen an vielen Abschnitten sogar nur noch 10 bis 20 Prozent der ehemaligen Auen vorhanden. Zudem befinden sich nur 10 Prozent der noch vorhandenen Flussauen in Deutschland noch in einem naturnahen Zustand.

 

90 Prozent der Auen sind auf Grund der intensiven Nutzung, ausbleibenden Überflutungen und Gewässerausbau deutlich bis sehr stark verändert. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben und die Flussauen naturnah zu entwickeln. Denn Auenschutz dient nicht nur dem Naturschutz, er ist zugleich praktizierter Hochwasserschutz und unterstützt angesichts vielfach steigender Hochwassergefahren die notwendige Anpassung an den Klimawandel“, sagte BfN-Präsidentin Professorin Beate Jessel bei der Präsentation in Bonn. „Sieben Jahre nach dem verheerenden Elbehochwasser ist festzustellen: Nach wie vor nutzen wir das Potenzial unserer Flussauen als Rückhaltegebiete bei Hochwasser nur unzureichend. Hier sind in den nächsten Jahren verstärkte Anstrengungen bei Ländern und Gemeinden, aber auch von Seiten des Bundes erforderlich. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist es notwendig, den Schutz und die Wiederherstellung der Flussauen als Verbündeten des Hochwasserschutzes in der Öffentlichkeit und bei den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung stärker zu verankern“, so BfN-Präsidentin Jessel.

Mit der bundesweiten Erfassung des Zustandes der Flussauen hat das BfN eine Verpflichtung aus der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt umgesetzt. Naturnahe Auen sind nicht nur für den vorsorgenden Hochwasserschutz unverzichtbar. Sie sorgen im Naturkreislauf für sauberes Trinkwasser, sind wichtige Erholungsräume für den Menschen sowie länderübergreifende Achsen für den Biotopverbund und damit Lebensraum für eine Vielzahl seltener Pflanzen und Tiere. Lediglich rund 5.700 ha naturnahe Hartholzauwälder sind bundesweit noch erhalten geblieben, was weniger als 1% des ursprünglichen Bestandes entspricht. Feuchtgebiete, die natürlicherweise große Flächenanteile einnehmen würden, umfassen mit rd. 10.000 ha nur ca. 2 % der Überschwemmungsauen und deutlich weniger als 1% der Altauen.

„Intakte Flussauen sind eine moderne Arche Noah. Kein anderes Ökosystem in Mitteleuropa beherbergt eine vergleichbare Arten- und Lebensraumvielfalt. Mit den vorgestellten Ergebnissen wird nicht nur der besorgniserregende Zustand der Auen fachlich dokumentiert, sondern es wird damit gleichzeitig eine bundesweit einheitliche Messlatte für den Erfolg der Schutzbemühungen geschaffen. Diese müssen insbesondere bei den intensiven Nutzungen, bei Veränderungen des Grundwasserstandes sowie der Überschwemmungshäufigkeit und beim Gewässerausbau ansetzen. Der Auenschutz in Deutschland erhält durch die vorgelegten Ergebnisse neue Impulse“, erläuterte Beate Jessel.

Hintergrundinformationen:
Im Rahmen von Forschungsvorhaben, die nach dem Elbehochwasser 2002 begonnen wurden, wurden die noch vorhandenen (rezenten) Auen und ehemaligen Auen (Altauen) von 79 Flüssen auf einer Länge von 10.276 km Flusskilometern mit einer Gesamtfläche von 15.533 km² (4,4% der Fläche Deutschlands) nach einheitlichen Kriterien erfasst und in ihrer Qualität bewertet. Die Ergebnisse wurden in zwei deutschlandweiten Übersichtskarten – eine Karte zu den Verlusten von Auen und eine Karte zum Auenzustand – sowie einer erläuternden Broschüre zusammengefasst. Zudem sind die Geodaten über den Kartendienst „Flussauen in Deutschland“ für jedes einzelne Auensegment im Internet abrufbar. Mit den Karten und dem Online-Kartendienst, der in Kürze verfügbar sein wird, steht nunmehr für jeden Interessierten ein Instrument zur Verfügung, das die Dimension des Problems erkennen lässt und in jedem einzelnen Fall herangezogen werden kann. Insbesondere die Verantwortlichen vor Ort und Planer finden länderübergreifend wichtige Hinweise, wo Potenziale zur naturnahen Auenentwicklung vorhanden sind und wo Nutzungen angepasst werden sollten, aber ebenso, wo bedeutsame Auengebiete erhalten geblieben sind.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bfn.de.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesamts für Naturschutz vom 5.10.2009

 

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